Die Trauben

Autochthon

ist ein schwer aussprechbares Wort. In der Weinwelt geht es aber mittlerweile über die Lippen aller. Die autochthonen oder „aheimischen“ Weine kamen, zumindest in Italien, ganz plötzlich in Mode.

Spät aber doch kam man zur Erkenntnis, dass die Erzeugung von Weinen aus internationalen Rebsorten – wie Chardonnay, Cabernet, Merlot – automatisch zu einem Vergleich mit der Konkurrenz am Weltmarkt führt, während man bei der Erzeugung aus autochthonen Reben auf ein einmaliges Produkt bauen kann, das durch Rebsorte, Geschichte und Terroit geprägt ist.

Im Jahr 2002 hat die ERSA von Friaul-Julisch-Venetien mit bemerkenswerter Promptheit darauf reagiert und den „Virigni della memoria“ („Rebsorten der Erinnerung“ – eine schöne Definition) und den daraus erzeugten Wein eine Ausstellung mit dem Titel „Vinum nostrum“ gewidmet, fast als wolle man betonen, dass einige dieser Reben vor über 2000 Jahren die Römer nach Friaul brachten.

In diesem Rahmen wurde auch eine Sonderausgabe von „Vigneto chiamato Friuli“ mit dem Schwerpunkt autochthone Rebsorten veröffentlicht (Kurioses am Rande: 1863 waren in Friaul 219 Rebsorten erfasst, von denen es heute wahrscheinlich noch etwa dreißig gibt).

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist Friaul-Julisch-Venetien die Region mit den meisten autochthonen DOC Rebsorten und dies schon seit längerer Zeit noch bevor die autochthonen Rebsorten – wie es heute scheint – zu einer Modeerscheinung geworden sind.

In der Zwischenzeit stellen die autochthonen Rebsorten ein Erbe in der regionalen Weinbaukultur dar, und das Ergebnis kann sich sehen, nein, verkosten lassen. Nachfolgend stellen wir Ihnen zwölf autochthone Rebsorten vor, die aus einen oder mehreren Ursprungsgebieten auf regionalen Gebiet vorkommen.

Picolit

Ein Wein der aus seinem Mangel durch die Natur (Blütenmissbildung, viele Blüten können nicht befruchtet werden), einen Vorzug macht. Der dadurch niedrige Ertrag, die späte Weinlese, das Antrocknen der Traube auf Rohrgeflechten, die lange Gärung in Holzfässern ergibt seine Einzigartigkeit und den hohen Preis.
„Der Picolit hat den Reiz einer Frau, deren Schönheit aus Tausenden von ausgeglichenen und edlen Nuancen besteht“.
Seine Farbe reicht von strohgelb bis bersteinfarben.
Sein Duft erinnert an Bienenwaben mit einer unglaublichen Serie von Aromanuancen.
Sein Geschmack ist süßlich und von edler Rasse. Einfach eine Symphonie. 
Eine Speiseempfehlung ist schwierig, er ist wie ein Brillant, wie eine kostbare Perle und liebt die Einsamkeit ist Meditationswein und überrascht zu einigen pikanten Käsen.
Die geeignetste Lage ist Collio Orientale.


Malvasia

Es gibt viele Arten von Malvasia. Wahrscheinlich stammt die in Friaul-Julisch-Venetien angebaute Malvasia-Traube aus Griechenland, die um 1300 ins Land kam. Sie hat sich den Böden ausgezeichnet angepasst und ihre eigene Persönlichkeit entwickelt. Die Rebe unterscheidet sich stark von den ursprünglichen Rebstöcken. Heute wird sie hauptsächlich in den Hügeln angebaut, wo sie beste Qualität hervorbringt.
Farbe: stroh- bis goldgelb
Geruch: dezentes Bouquet, das an Aprikosen und Pfirsich erinnert.
Geschmack: frisch, glyzerinreich, ausgewogen im Alkohol, weinig-fruchtig.
Speiseempfehlung: von der Ebene als Aperitif, fleischlose Antipasti, Suppen, Pasta und Risotto auf Gemüse oder Fischbasis.
Vom Karst als Wein zu Fischgerichten (insb. Krustentiere).


Pignolo

Die Pignolo-Rebe wurde in Friaul seit Jahrhunderten angebaut und wurde sicher schon vor 1600 in dem Gebiet von Prepotto, Albana, Rosazzo und Premariacco angebaut. Poggi beschreibt sie in seinem Atlante ampelografico aus dem Jahr 1936 mit einer großen Fülle von Einzelheiten, nachdem er sie in der Abtei von Rosazzo entdeckt und verkostet hatte. Heute noch finden wir sie in ihrem ursprünglichen Anbaugebiet in einigen Weingärten in den umliegenden Orten.
Farbe: rubinrot
Geruch: weinig, fruchtig, zurückhaltend
Geschmack: der Pignolo ist ein ganz besonderer Wein, verhalten geheimnisvoll, so als fürchte er entdeckt zu werden. Weinig, leicht tanninhaltig, erinnert er an Himbeeren. Er ist ein Wein den es zu entdecken gibt.


Ramandolo

Er ist eine sehr alte Rebsorte , die sich im Laufe der Jahrhunderte verändert hat und sich markant von ihrem Bruder, dem Verduzzoo friulano, unterscheidet. Schon seit der Antike wurde diese im Hügelland nördlich von Udine angebaut. Sie hat in den Hügeln von Nimis, Tarcento, aber vor allem in Ramandolo und Toriano ihren natürlichen Lebensraum gefunden.
Farbe: kräftig gelb bis zwiebelschalig
Geruch: weit, reintönig an Kastanienhonig
Geschmack: lieblich, angenehm leicht bitter, voll
Speiseempfehlung: ideal zu einigen Antipasti, (Gänseleber, Gorgonzola), Dörrobst Keksen, niemals zu Torten oder Cremen. Bestens geeignet für zwischendurch zur Teezeit.



Refosco dal peduncolo rosso

Diese klar definierte antike friulanische Rebsorte wurde früher mit anderen Reben verwechselt. Er ist der beste der Refoscos und sicher mit die beste friulanische blaue Traube. Die bereits 1700 bekannte Rebe hat sich in den letzten Jahrzehnten in der ganzen Region stark verbreitet und die anderen Refosco-Sorten in produktionsstärkeren Gebieten – allerdings weniger erfolgreich – ersetzt. Gute Lagen sind u. a. in Aquileia, Friuli Grave (Codroipo) und Collio Orientali.
Farbe: intensives Rubinrot
Geruch: zahlreiche Noten nach Beerenobst, Unterholz
Geschmack: leicht grasartig, erinnert an Waldbeeren und leicht bitter im Hintergrund
Speiseempfehlung: fettem Fleisch, Geschmortem, Wild (ausgenommen mit scharfer Sauce), und regionaler Küche.


Ribolla Gialla

Er ist der älteste friulanische Weißwein und war früher der Symbol-Wein des Friauls. Zeichen für den Abbau reichen bis 1300 zurück. Rosazzo ist seit Jahrhunderten eine seiner Wahlheimaten. Des weiteren Oslavia im Collio und im allgemeinen der gesamte Collio und Collio Orientali.
Farbe: blass strohgelb, mit schwachen grünlichen Reflexen
Geruch: Bouquet erinnert an die Blüten der Akazie, Kastanie und Eiche.
Geschmack: trocken, zitronig, bekömmlich
Speiseempfehlung: Suppen, Fischgerichte, Sardinen, Austern und als Aperitif


Schioppettino

Er war den gleichen kulturellen Übergriffen ausgesetzt wie die Rebsorten Pignolo und Tazzelenghe und wurde im Jahre 1978 (EG Best. 486) zusammen mit seinen Leitensgefährten „rehabilitiert“.
Er hat seinen Ursprung in Prepotto und in der Grenzregion zu Slowenien, er ist der Pinot nero des Friauls.
Farbe: rubinrot
Geruch: reiche Noten von rotem Beerenobst,(vor allem Himbeere).
Geschmack: Angenehm und nie rau, im Holz ausgebaut erreicht er einen edlen Körper.
Speiseempfehlung: Ente, Gans, Hase, Wild 



Tazzelenghe

Der Name kommt wahrscheinlich von der besonderen Herbe des Weines, die durch die hohe natürliche Säure und den beachtlichen Tanningehalt kommt. Auch hat die sehr spät reifende Traube einen stark „zungenbeißenden“ (ital. Tazzalingua) Geschmack. Durch EG-Bestimmung wurde die Rebe genauso wie Schioppettino u. Pignolo vor dem Verschwinden gerettet. Die geeignetsten Lagen sind um Manzano, Buttrio und die Hügel von Ipplis.
Er ist der rustikalste Rotwein des Friauls
Farbe: rubinrot mit violetten Reflexen
Geruch: weinig, gerösteten Mandeln, Unterholz und Holzrauch
Geschmack: sehr adstringierend, sauer, hart im jungen Zustand, im Laufe der Zeit wird er weicher und angenehmer.
Speiseempfehlung: Wild und Schweinefleisch.


Friulano 

Friulano, ist eine Rebesorte, die gewiss friulanischen Ursprungs ist, die seit jeher schon in Friaul-Julisch-Venetien angebaut wird.
Es ist der Weißwein par excellence der Region, der Tajut Wein für jede Gelegenheit.
Farbe: strohgelb mit herrlich grünen Nuancen
Geruch: erinnert an Bittermandel und grünen Apfel
Geschmack: fruchtig, fein, delikat, niedriger Säuregehalt mit beachtlichen Bittermandelgeschmack.
Speiseempfehlung: Aperitif, fleischlose Antipasti, klaren Suppen und Fisch in Sauce.


Verduzzo friulano

Die Rebsorte ist sicher sehr alt und war früher stark verbreitet. Beschrieben wird sie von Acerbi in seinem Werk „Viti friulane ne’dintorni di UDINE“: Es gibt zwei Arten bzw. Hauptklone: der Verduzzo verde wird in der Ebene angebaut und ergibt einen trockenen Wein, während der Verduzzo giallo in den Hügeln angebaut wird und einen lieblichen Dessertwein ergibt.
Die geeignetsten Lagen sind in den Gemeinden des Collio Orientale und Collio.
Farbe: goldgelb – orangenfarben
Geruch: frisch, zitronig mit einem Bouquet das an Apfel, Birne Aprikose und Nektarine erinnert.
Geschmack: voll, leicht säuerlich, fruchtig, seine süße wirkt nicht übertrieben.
Speiseempfehlung: mittelkräftige Käse wie z.B. Montasio , Geflügelleber, perfekt zu Gubana, Klößen mit Pflaumen ,Zimt zerlassener Butter, Cjalzons 


Vitovska

Die Vitovska ist eine weiße Traube, die seit jeher schon in der Provinz Triest angebaut wurde, vor allem in den Gemeinden Sgonico, Prepotto und Duino Aurisina, entlang des Küstenstreifens bis nach Istrien.
Der Name ist slowenischen Ursprungs. In seinen antiken Weinbergen verbarg der Karst diese bodenständige Rebensorte, die dank einer Gruppe von Winzern gerettet wurde, unter denen es dann Edi Kante war, der sie bekannt machte.
Farbe: strohgelb
Geruch: fruchtig, weinig mit einem Anflug vin Williamsbirne, evtl. Salbei
Geschmack: trocken, säuerlich-würzig, guter Körper
Speiseempfehlung: zartes weiches Fleisch, Meeresfrüchte, Aperitif


Terrano

Er ist der Wein der vom Karst erzählt, er gehört ausschließlich in die ganz besondere Umgebung des Karstes. Die Weinberge wurden in den Dolinen angelegt, wo sich Schichten „roter Erde“ mit einem hohen Gehalt von Eisenverbindungen anhäufen. So kam er zu seinen Namen „Karstblut“.
Die geeignetsten Lagen Doc-Gebiet des triestinischen Karstes, Terrano Weinstraße.
Farbe: intensives rubinrot bis violett
Geruch: frische Erde, und erinnert an Heidelbeeren
Geschmack: säuerlich, tanninhaltig,
Speiseempfehlung: Wein für deftige Küche 




Die internationalen Trauben


Pinot Bianco

Der Weinstock ist französischen Herkunft, die Weinrebe ist eine Knospenmutation des
Pinot Nero und war schon zur Römerzeit bekannt.
Er hat einen richtigen Körper und eine strohgelbe Farbe mit grünlichem Glanz. 
Der junge Pinot Bianco hat eine angenehme und höchst elegante Blume.
Nach dem Lagern wird er lebhafter, luftiger und kräftiger und noch vielfältiger.
Ein äußerst eleganter und erlesener Weißwein, angenehm und gefällig.

 

Pinot Grigio

Das Synonym des italienischen Weißweines.
Die Weinrebe ist eine Farbveränderung des Pinot Nero, da er ebenfalls eine Knospenmutation des Pinot Nero ist.
Er hat im Friaul die passende Umwelt gefunden.
Erhältlich ist er als der Weiße sowohl als der Rotblonde. 
Der Unterschied beruht auf der Tatsache, dass der Rotblonde Pinot Grigio 24 Stunden mit den Schalen zusammenbleibt, während in der so genannten „weißen Gärung“ sofort nach dem Pressen vom Trester getrennt wird. Beides ergibt erstklassige Ergebnisse
Das Bouquet ist entschieden und deutlich und erinnert an Akazienduft. Sein Geschmack ist trocken, zart, rund und angenehm bitter.


Chardonnay

Einer der wohl weltweit am meist verbreiteten Rebsorten, der berühmte Weine hervorbringt.
Die Rebsorte ist in Frankreich, insbesondere in dem Gebiet Champagne und im Burgund (sein Herkunftsland), verbreitet. In den Friaul kam er Ende des 19 Jahrhunderts wo er mit den Pinot Bianco verwechselt wurde. 1978 wurde er in Italien als eigenständige Rebsorte eingetragen und anerkannt
Seine Farbe ist strohgelb mit grünlichen Nuancen.
Der junge Wein hat einen delikaten Duft mit Untertönen von Brotkruste und guter Ausgeglichenheit im Mund.
Im Barrique ausgebaut entfaltet er Duftnoten von Honig bis Vanille, er präsentiert sich körperreich und intensiv.


Sauvignon

Sauvignon ist ein weiteres Beispiel von französischen Weinstöcken die im Collio bzw.: im Collio Orientale und im Grave Gebiet eine günstige Umwelt gefunden haben. Nach Friaul kam die Rebsorte Mitte des 19 Jahrhunderts, dort war sein Ausbau lange auf die Hügellagen begrenzt. Dann hat er sich auch in den Ebenen verbreitet, wo er hervorragende Resultate erzielt.
Weißwein mit üppigen Düften mit Moschusnoten und grünlichen Anflügen von Holunderblüten, Salbei, Paprika, Melone und Magnolie. Lebhaft im Mund und „pfeffrigen“, langer harmonischer Nachklang .



Cabernet Franc

Die Weinrebe stammt aus dem Bordeaux-Gebiet , genauer gesagt aus der Gironde. Sie wurde vor einem Jahrhundert ins Friaul eingeführt und ist jetzt mengenmäßig die zweitwichtigste Rotweinsorte. Produziert werden Weine mit hervorstechender Persönlichkeit, sowohl wenn sie rein vinifiziert werden als auch als Cuvèe. Diese Rebe kann sich fast allen Böden gut anpassen, aber die besten Ergebnisse erzielt man auf den steinigen Flussböden und im Hügelland.
Er wird von den Friulanern sehr geliebt wegen seiner Grasnoten und seinem Duft nach frisch geschnittenem Heu. Er ist rubinrot, mit violetten Nuancen, bei längerer Mazeration manchmal blutrot. wenig Alkohol, Säure- und Tannin betont. Gut lagerfähig. Bei Lagerung verliert der Wein seine jugendlichen grasigen Töne(nicht gänzlich), er wird feiner, eleganter, großzügig und körperreich. Er ist ein wahrhaft großer Wein. 

Merlot

In Italien eingeführt, fand der französische Weinstock seine Wahlheimat im Friaul und wurde sogar zum Prunkstück des friulanischen Weinbaus. Wegen der Bodenstrucktur und des Klimas hat der friulanische Merlot ganz typische Eigenschaften entwickelt und unterscheidet sich deutlich von den anderen Merlot-Weinen durch seine eigenartige Feinheit.
Er ist der Tajut Rotwein im Friaul, genauso wie der Tocai-Friulano als Weißwein. Seine Nuancen sind sehr vielseitig. Als junger Wein ist er angenehm zu trinken, gefällig, weinig und wohlschmeckend. Für die Rotweinliebhaber passt er zur gesamten Mahlzeit. Bei niedrigen Erträgen, entsprechenden Böden und Lagerung, langer Mazeration und Ausbau im Holzfass bringt er Ergebnisse von höchstem Niveau und Lagerfähigkeit hervor. Er hat eine intensive Farbe ist körperreich, sehr würzig und kräftig durch seine ausgeglichene Gerbsäure. Der friulanische Merlot ist anspruchsvoll mit einer beachtlichen Weichheit.


Cabernet Sauvignon

Er ist eng verwand mit dem Cabernet Franc ist jedoch weicher und gefälliger als sein „wilder“ Cousin. Auch dieser Weinstock kommt aus dem Bordeaux-Gebiet. Obwohl man nicht genau weiß, wann der Cabernet Sauvignon ins Friaul eingeführt wurde, wird allgemein behauptet, dass der Wein schon vor dem Cabernet Franc im Friaul angebaut wurde. Der Weinanbau des Cabernet Sauvignon ist trotz seiner hervorragenden Qualität nicht sehr weit verbreitet; Friaul liegt jedoch an erster Stelle, was den Anbau dieser Weinrebe anbelangt und wird wegen seiner Eigenschaft als großer Lagerwein auch immer häufiger.
Durch eine Vinifikation für die Lagerung entsteht ein aristokratischer Wein, von intensiven und tiefen rubinroten Farbtönen, mit süßen Nuancen von roten Beeren und Gewürzen.
Er ist reich und vollmundig mit kräftiger Gerbsäure und einen großen Körper. Als junger Wein hat er ebenfalls einen ausgeprägten Charakter und ist sehr gefällig, mit Fruchtnoten und gutem aromatischen Nachklang.